Roadmap Erstellen - Anleitung in 5 Schritten

Zuletzte aktualisiert:
21.10.2020
Lesezeit:
10 Minuten
Last updated:
October 21, 2020
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10 Minuten

Roadmaps sind eines der wichtigsten Tools für Produktmanager. Für jede Innovation und jede Entwicklung sind sie zentral, um strategische Schritte innerhalb eines Unternehmens zu kommunizieren.

Doch Varianten gibt es viele - und oftmals scheitern ihre Ersteller schon an der Auswahl der richtigen Kriterien oder der Priorisierung von Meilensteinen. Die richtige Vorgehensweise kann dabei entscheidend sein.

Wir zeigen dir, wie du effektive Produkt-Roadmaps für dein Unternehmen erstellst. Diese werden dir helfen,

  1. die richtigen Erwartungen zu setzen.
  2. verschiedene Teams und Stakeholder zusammenzubringen.
  3. deine Gespräche mit übersichtlichen Mitteln zu unterstützen.

Folge unseren Tipps im Artikel und erstelle bessere Roadmaps.

Eine Produkt Roadmap hilft Produktmanagern und anderen am Entwicklungsprozess beteiligten Stakeholdern, ihre Vision, Strategie, Prioritäten und Meilensteine zu kommunizieren und abzugleichen.

Über einen gewissen Zeitraum beschreibt eine Product Roadmap den Weg eines Unternehmens, ein gewisses Ziel zu erreichen. Etwas konkreter ist dieses Ziel im Fall von Produktmanagern die Erreichung eines gewissen Entwicklungsstandes. Somit definiert sie einzelne Aufgaben verschiedener Teams, um auf dieses Ziel hinzuarbeiten. Einzelne Meilensteine können hierbei aufeinander aufbauen - oder unabhängig parallel voneinander verlaufen.

Als Produktmanager ist es deine Aufgabe, Roadmaps zu erstellen und zu kommunizieren. Im Alltag ist deine Roadmap eines der wichtigsten Werkzeuge, um mit anderen zu kommunizieren - sei es die Führungsebene, Marketing oder Tech-Teams.

Sie ist deine Quelle der Wahrheit und Herzstück des Produktentwicklungsprozesses.

Allerdings: Niemand liest eine Roadmap, die schwierig zu verstehen ist.

Dafür fehlt ganz einfach die Zeit. Deswegen ist es essentiell, dass deine Roadmap auf einen Blick verständlich ist und die wichtigsten Elemente enthält.

Zur Erstellung von Roadmaps gibt es die verschiedensten Ansätze. Vielen Produktmanagern fehlt es deswegen schwer, sich auf einen festzulegen. Wir helfen dir und geben dir die wichtigsten Kriterien an die Hand.

Anforderungen an Roadmaps

  • Einfach zu verstehen: Niemand wird sich die Zeit nehmen, deine Roadmap zu interpretieren. Ein Blick muss genügen.
  • Überschaubar: Eine Product Roadmap ist eine High-Level Übersicht, die nur die wichtigsten Punkte enthält.
  • Dynamisch und statisch zugleich: Deine Roadmap ist ein Dokument, auf deren Ablauf sich alle Parteien geeinigt haben. Änderungen sind möglich, aber nur wenn wirklich notwendig und abhängig vom Zeithorizont.

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1. Hole dir frühzeitig Input

Eine Roadmap vereinigt Insights verschiedener Parteien miteinander. Gehe deswegen frühzeitig ins Gespräch mit diesen.

  • User: Welche Features werden besonders gewünscht?
  • Produktentwicklung: Kläre genau, wie viel Aufwand zur Implementierung einzelner Anpassungen benötigt wird. Wo gibts es außerdem Abhängigkeiten?
  • Datenpunkte: Besorge dir alle nötigen Daten frühzeitig und basiere deine Entscheidungen darauf.
  • Weitere Stakeholder: Hole Management, Marketing, Sales und andere Stakeholder mit ins Boot.
  • Ideen: Sammle alle Ideen frühzeitig. Vermeide, kurzfristige Gedankenanstöße, die deine komplette Roadmap über den Haufen werfen.

User

Als Produktmanager ist so gut wie niemand näher am Nutzer als du. Sprich mit deinen Nutzern, hole Feedback ein und erkenne ihre Bedürfnisse.

Hinter jedem neuen Feature muss ein grundlegendes Bedürfnis deiner Zielgruppe stehen. Vermeide, an deinen Nutzern vorbei zu entwickeln. Fokusgruppen, Interviews, NPS-Scores und Umfragen sollten Teil deines Alltags sein.

Produktentwicklung

Dieser Punkt sollte recht klar sein. Letzten Endes wird dein Produkt von Teams wie IT und UX Design erstellt. Diese denken leider oft in Silos. Es ist deine Aufgabe, für maximale Transparenz zu sorgen. Insbesondere sind Einschätzungen zum Aufwand und Interdependenzen wichtig zu verstehen.

Wie lange dauert es, Feature X zu entwickeln?

Wovon ist das Entwicklerteam hierbei abhängig? Bis wann brauchen sie den Input?

Datenpunkte

Als moderner Produktmanager triffst du deine Entscheidungen basierend auf Daten und KPIs. Je besser du Vergangenes verstehst, umso besser kannst du zukünftige Entscheidungen treffen.

Wenn du deine Nutzer beispielsweise zum Großteil im Onboarding-Prozess verlierst, kann dein Produkt letzten Endes noch so gut. Dein Fokus muss im Onboarding liegen. Derartige Insights erhältst du nur, indem du dich auch im Detail mit deinen Zahlen beschäftigst.

Weitere Stakeholder

Je größer dein Unternehmen ist, umso komplexer ist es - und umso mehr Parteien müssen an einen Tisch gebracht werden. In einem Startup tauschen sich die Teammitglieder in der Regel ständig aus. In einem Großunternehmen ist dies nur begrenzt möglich. Stelle sicher, dass auch Teams wie Sales oder Operations zu Wort kommen. Auch ihr Feedback ist wichtig.

Hierfür kann es etwa hilfreich sein, ein v-Team bzw. ein Sondermeeting einzuberufen. In diesem stellst du deine Vision und Fokusthemen vor. Zudem haben alle Parteien die einmalige Chance, nicht nur ihre Inputs zu geben. Vielmehr ist es auch eine Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen. So sensibilisierst du beispielsweise das Sales -Team auch für Inputs aus dem Marketing. Das Verständnis für die Priorisierung anderer Themen wächst. Synergien werden gefunden.

2. Priorisiere Features

Effort/Benefit Matrix

Effort-Benefit-Matrix als Grundlage zur Erstellung von Roadmaps
Effort / Benefit (Impact) Matrix

Ein empfehlenswertes Tool zur Priorisierung deiner Ideen bzw. Features ist eine simple Effort/Benefit-Matrix. Bewerte hierzu alle Inputs hinsichtlich ihrer potentiellen Auswirkung sowie des Aufwandes.

Effort: Hierzu ist umfassender Input vom Entwicklerteam unumgänglich. Wie viel Arbeit steckt hinter der Implementierung?

Benefit: Nutze User-Feedback, quantitative Daten, Input anderer Stakeholder.

In beiden Fällen wirst du nicht immer eine Einschätzung erhalten, die zu 100% verlässlich ist. Gerade hinsichtlich des Nutzens kann es recht schwierig sein, diesen konkret abzuschätzen. Das ist aber nicht schlimm. Vielmehr geht es darum, verschiedene Ideen im Verhältnis zueinander einzuordnen.

Quick Wins: Dies sind die Features, die sowohl einfach zu implementieren sind, als auch einen hohen Mehrwert für den Nutzer bringen. Sie sollten auf jeden Fall priorisiert werden. -> Feature 1 priorisieren.

Prioritize
: Auch diese Features sollten es in der Regel in die Product Roadmap schaffen.  -> Feature 2 priorisieren.

Discuss
: Die Felder im Bereich "Discuss" bieten in der Regel das größte Konfliktpotential. Hier müssen oftmals verschiedene Interessen und Sichtweisen abgewogen werden. Umso wichtiger ist es, alle Beteiligten hierzu im Boot zu haben.  -> Feature 3 und 4 diskutieren.

Neglect
: Vorschläge mit hohem Aufwand und geringem Nutzen. (Aktuell) uninteressant.  -> Feature 5 erst einmal vernachlässigen.

Kano Modell

Das Kano-Modell dient dazu, Produktfeatures mit Kundenerwartungen zusammenzubringen.

Dabei können Inputs in Form von 3 Kategorien unterteilt werden:

Basic Expectations: Minimale Erwartungen der User. Diese sind notwendig, um die Mindestanforderungen an ein hilfreiches Produkt zu erfüllen. Ohne die Erfüllung der basic expectations erfüllt das Produkt nicht die Bedürfnisse seiner Nutzer. Diese Features sollten also priorisiert werden.

Satisfiers: Hierunter fallen Features, die von Usern gewünscht werden. Während also die Basic Expectations ein muss sind, sind die satisfier Features, die zusätzlichen Nutzen schaffen. Damit ist also alles gemeint, was ein Nutzer abseits der Grundfunktionen als nützlich erachten würde und das er sich eigenständig wünscht.

Delighters: Der große Unterschied zu den Satisfiern liegt im bewussten Wunsch der Features. Satisfier-Items liegen im Rahmen der vorstellbaren Eigenschaften eines Produkts. Delighter sind allerdings unerwartete, schöne Überraschungen. Deine User wussten noch nicht einmal, dass sie dieses Feature wollen. Es zu haben, übersteigt ihre Erwartungen.

Abhängig von deinen strategischen Zielen sollte deine Roadmap idealerweise eine Mischung aus allen 3 Kategorien enthalten. Die Basic Expectations sollten allerdings bei Bedarf priorisiert werden: Gerade, wenn du dich noch früh im Entwicklungsprozess befindest, solltest du eine Roadmap erstellen, die die wichtigsten Mindestfeatures abdeckt.

3. Definiere Meilensteine und Dimensionen

  • Zeitpunkte: Jede Maßnahme hat einen festen Anfangs-und Endpunkt. Auch wenn sie sich über den gesamten Timeline-Zeitraum spannt.
  • Aufgaben: Welche konkreten Aufgaben fallen an? Welche Features werden entwickelt?
  • Abhängigkeiten: Welche Teams sind jeweils verantwortlich? Welche Maßnahmen sind von welchen Vorbedingungen abhängig?
  • Grund: Inwiefern trägt diese Maßnahme zur Unternehmens- oder Produktvision bei?
  • Messung: Wie stellst du fest, ob dieses Ziel erreicht wurde? Klare Metriken helfen dir, die Ziele genauer zu definieren. Laut Plan kann "Feature X" beispielsweise voll implementiert sein - doch was ist mit Bugs, Testings, etc.?

Insbesondere die verschiedenen Zeiträume beeinflussen die Erstellung deiner Roadmap maßgeblich. Zeit wird (in welcher Skala auch immer) in der Regel auf der horizontalen Achse dargestellt. Auch die Abhängigkeiten sollten dich bei der Finalisierung deiner Roadmap später leiten. Die Aufgaben bilden letzten Endes das Herzstück deiner Roadmap an. Sie dokumentieren, welche Features konkret implementiert werden und welche Schritte dafür nötig sind.

Grund und Messung dienen hingegen eher dir dazu, dir über Umfang und Zielsetzung der Strategie im Klaren zu bleiben bzw. deine Entscheidungen zu verteidigen.

Mache dir klar, für wen du die Roadmap erstellst.

Dient sie als Grundlage für die Entwicklerteams, um sich zu koordinieren?
Oder soll sie vielmehr Beteiligte wie Marketing und Sales in ein Boot holen? Im letzteren Fall dürfte technische Details weniger interessant sein. Hingegen könnte es in diesem Fall sein, eine Release-Übersicht mit Marketingaktivitäten zu kombinieren. In diesem Falle wäre deine Roadmap eher Grundlage für Bewerbung bzw. das Marketingteam.

In der Regel wirst du aber zunächst stärker in die eigentliche Entwicklung des Produkts involviert sein. Eine Marketing-Roadmap würde hier eher abgeleitet werden.

4. Pflege deine Elemente ein

Pflege nun die wichtigsten Elemente ein. Tools wie Excel, Powerpoint oder die Google Suite können hier völlig ausreichend sein. Es gibt allerdings auch eigenständige Tools wie Roadmunk, die einen Blick wert sein könnten.

Das Bildbeispiel gibt dir einen Eindruck davon, wie gut gegliederte Roadmaps aussehen.

Die vertikale Achse gliedert Features in verschiedene Bereiche auf. Dies können auch oftmals dedizierte Teams sein.

Die horizontale Achse stellt den Zeitraum dar. Elemente, die weiter in der Zukunft liegen, sind unsicherer.

Einzelne Features sind in Balken organisiert.

Roadmap erstellen: Beispiel einer Product Roadmap auf Quartalsbasis
Beispiel für eine Product Roadmap

5. Verfeinere deine erstellte Roadmap visuell

Dieser Schritt entscheidet über die Lesbarkeit deiner Roadmap. Und somit ihre Effizienz.

Mache es den anderen Teams leicht, deine Timeline zu verstehen.

Hilfreich sind dafür grafische Elemente.

  • Farben (etwa für Prioritäten - oder nach Teams)
  • Balkengrößen (nach Wichtigkeit)
  • Balkenformen (z.B. abgerundete Ecken) und Konturen (durchgängig vs. gestrichelt,...)

Beachte aber: Wähle nicht zu viele verschiedene Elemente zur Differenzierung, sonst wird es kompliziert. 1-2 sind absolut ausreichend.

Sei realistisch.

Es ist eine gute Eigenschaft, ambitioniert zu sein. Wenn es allerdings um deine Product Roadmap geht, solltest du vor allem realistisch sein.

Viele Stakeholder sind involviert. Letzten Endes bist du von Ihnen abhängig.

Viele Augen sind auf dich und dein Produkt gerichtet. Sie zählen auf dich. Und viele ihrer Aktivitäten sind vom Produktentwicklungsprozess abhängig.

Spekulation ist unangebracht. Respektiere die Einschätzungen deines Entwicklerteams.

Es wird Konflikte geben.

Je mehr Parteien involviert sind, umso wahrscheinlicher sind Konflikte. Hole alle Beteiligten so gut es geht an einen Tisch. Einzelne Teams werden unterschiedliche Wünsche bzgl. neuer Features haben. Du kannst nicht alle zufrieden stellen. Kommuniziere aber proaktiv. und transparent.

Oft ist es reizvoll, kurzfristige langfristigen Zielen vorzuziehen. Diese Strategie kann allerdings gefährlich sein. Behalte stets das große Ganze im Auge. Was ist die übergeordnete Vision? Wann benötige ich Quick Wins, wann ist die langfristige Sicht wichtiger?

Kommuniziere und Nutze deine Roadmap

Deine Roadmap bringt nur alle Beteiligten auf einen Stand, wenn du sie auch kommunizierst. Dabei ist sie nicht nur für dein Entwicklerteam essentiell. Auch das Management und andere, vielleicht nicht direkt involvierten Teams müssen Bescheid wissen, wie die Reise weiter geht.

Zudem hattest du zuvor Input von allen möglichen Perspektiven eingeholt. Stelle sicher, dass alle Parteien auch wissen, welche Inputs letzten Endes priorisiert werden.

Gängiges Mittel sind hierbei in der Regel E-mails bzw. Präsentationen an einen größeren Kreis. Möglicherweise stellst du die Roadmap auch erst dem Management vor - und gehst dann mit eventuellem Feedback auf alle anderen zu.

Stelle unbedingt sicher, dass du deine Roadmap nicht nur erstellst, sondern sie auch mit frischen Daten aktuell hältst. Generell gilt: Je kleiner dein Unternehmen, umso öfter wird es Updates für deine Roadmap geben.

Dabei ist es auch nicht mit einer einmaligen Kommunikation getan. In regelmäßigen Abständen sollten alle über den neuesten Stand der Entwicklung auf dem Laufenden gehalten werden.

Wo stehen wir aktuell?
Was hat sich geändert?
Wer ist bald zusätzlich beteiligt?
Welche möglichen Stolpersteine oder Potentiale tun sich auf?

Auch in regelmäßigen Gesprächen mit beispielsweise dem Marketing ist die Roadmap zentrale Grundlage der Konversation.

Doch das ist erst der Anfang.

Die besten Ressourcen zum Thema Roadmapping findest du in unserer ZAGE Plattform. Neugierig? Mehr erfahren.

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