Was macht ein Produktmanager in 2020 - Aufgaben & Gehalt

Zuletzte aktualisiert:
21.10.2020
Lesezeit:
15 Minuten
Last updated:
October 21, 2020
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15 Minuten
Produktmanager sind heiß begehrt - gerade durch die starke Zunahme an digitalen Produkten sind die Alleskönner gefragter denn je. Allerdings variieren ihre Aufgaben stark - abhängig von Unternehmen, Branche und Produkt.
In diesem Beitrag erfährst du alles, was du über Produktmanagement in 2020 wissen musst, wie du in deiner Rolle besser werden kannst und welches Gehalt du erwarten solltest.

Heutzutage wird Produktmanagement oft mit digitalem Product Management gleichgesetzt. Dabei ist diese Trennung durchaus wichtig. Ohne jede Frage hat die Digitalvariante des Berufsfeldes in den letzten 15 Jahren eindeutig an Relevanz gewonnen. Umso stärker unterscheidet sich jedoch der Aufgabenbereich in der Praxis oft von traditionelleren PM-Rollen, die beispielsweise physische Retailprodukte managen.

Nichtsdestotrotz sehen wir einen starken Trend in Richtung digitaler Produkte, immerhin hat fast jede größere Unternehmen mittlerweile digitale Komponenten. Durch diesen Wandel entstand ein vermehrter Bedarf an Koordination zwischen verschiedenen Bereichen, die an der Entwicklung beteiligt sind. Vom tiefen Nutzerverständnis über Ableitungen für Design, betriebswirtschaftliche Aspekte und die Koordination der Entwicklung bis hin zur Vermarktung wurde die Verantwortlichkeit in einem Unternehmensbereich gebündelt. Die Rolle des Digitalen Produktmanagers war geboren.

Was macht ein Produktmanager? Modernes Produktmanagement ist oft eine Mischung aus den Beriechen Technologie, Business (+Marketing) und Design.
Die Rolle des Produktmanagers als Schnittstelle zwischen Business, Design und Technologie

In einer globalisierten Welt mit stetig zunehmendem Wettbewerb stellen Produktmanager sicher, dass Produkte nah am Kunden entwickelt werden, um seine Probleme zu lösen und somit möglichst viel Qualität und Wert für diesen zu bieten. Das Aufgabenspektrum des Produktmanagers beginnt somit schon einen Schritt zuvor - mit User Research, also dem genauen Verständnis von (potentiellen) Kunden, um darauf aufbauend ein Produkt zu schaffen.

Was macht ein Produktmanager also? 
Diese Frage ist einheitlich nicht leicht zu beantworten. Als Schnittstelle zwischen IT, Business, Marketing und Design überwachen entwickeln sie Produktkonzepte und setzen sie dann in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Teams von Anfangsstadium bis Vermarktung um. Nun interpretieren unterschiedliche Unternehmen auch die Aufgaben von PMs etwas verschieden. In größeren Unternehmen unterliegt User Research etwa einem eigenständigen Team. In anderen Fällen managen PMs vielmehr bestehende Produkte in einer Mischung aus Operations und Marketing Management - beispielsweise im Einzelhandel.

Auch in der Unternehmenshierarchie nehmen Produktmanager unterschiedliche Rollen ein - vom Entscheidungsträger über alle Bereiche hinweg bis zum rein ausführenden Projektmanager.

Verschiedene Aufgabenbereiche von Product Managern

Die Aufgabenbereiche von Produktmanagern werden oft in Strategisches und Technisches PM, sowie Go-To-Market eingeteilt. Etwas genauer ist allerdings die folgende Unterteilung:

  • Kundenorientierung (z.B. User Research, UI/UX Design)
  • Marktorientierung (z.B. Wettebewerbsanalyse, Trendanalyse, ...)
  • Strategie und Business (Go-To-Market, Pricing, KPIs, Marketing, ...)
  • Technische Fähigkeiten (SQL, HTML/CSS, IT-Architektur, Datenbanken, ...)
  • Projektmanagement (SCRUM/agile Methoden, Sprintplanung, Team Management, Priorisierung, ...)
  • Soft Skills (insb. Kommunikation, Präsentation, Verhandlung)

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Kundenorientierung

Aufbauend auf einem umfangreichen Verständnis für den Nutzer steigt ein moderner Produktmanager/Product Manager tiefer in User Interface und User Experience Design (UX Design) ein. Ausgehend von Interviews, Fokusgruppen oder interaktiven Prototypen steuert er tiefgreifende Produktentscheidungen entlang der User Journey. Ausgehend vom potentiellen Nutzer adaptiert der PM den Produktprototypen und geht auf mögliche Verbesserungen ein. Hierbei ist oft auch ein Hintergrund in psychologischen Kenntnissen hilfreich. Wegen der inhaltlichen Nähe ist User Research wiederum Teil des UX Design Feldes.

Für Product Manager: Teilbereiche des UX Designs enthalten User Research, HCI, Interface, Design, Architekur, Struktur, Usability, Accessibility, Navigation
Die verschiedenen Disziplinen im UX Design

Marktorientierung

Hierzu gehören ein tiefes Verständnis für den Markt, das Wettbewerbsumfeld und aufkommende Trends im Bereich. Dies beginnt mit der Identifikation von potentiell interessanten Marktsegmenten. Darauf aufbauend leitet der Produktmanager mögliche Konzepte ab, die auch technologische Trends und Chancen in Betracht ziehen. Während sicherlich jeder Markt und jedes Segment unterschiedlich sind, gibt es doch einige Techniken für bessere Wettbewerbsanalysen und Marktrecherchen. Neben der Anwendung von qualitativen (Fokusgruppen, Tiefeninterviews) und quantitativen (Umfragen, Social Media Daten) Methoden gehören hierzu etwa Wettbewerbsanalysen anhand von Porter's Five Forces oder ähnlichen Tools.

Strategie und Business

Als eines der Hauptelemente des PM-Mixes gilt der betriebswirtschaftliche Aspekt, oft auch als strategisches Produktmanagement bezeichnet. Als Verantwortlicher über ein Produkt liegt es am Product Manager, die richtige Go-To-Market-Strategie zu entwickeln, die Wirtschaftlichkeit des Produktes im Auge zu behalten und Marketingfaktoren wie Pricing und Kommunikationsstrategie mit zu entwickeln. Gerade im Bereich der Go-To-Market-Strategie arbeiten Marketing und PM eng zusammen, um gemeinsam die optimalen Kanäle und Inhalte für den Produktnutzer zu definieren. Ein Grundverständnis für moderne Marketingstrategie ist deswegen hilfreich. Auch Ansätze zum Geschäftsmodell, wie etwa das Business Model Canvas oder Produktroadmaps sind hilfreiche Tools in den früheren Produktphasen.
Dasselbe gilt für fortgeschrittene Datenanalyse, um stets einen Überblick über Userzahlen und Verhalten zu behalten.

Projektmanagement

Im Projektmanagement spielen Methoden eine wichtige Rolle. Agile, SCRUM, Waterfall und DevOps sind verschiedene Ansätze, die zur Strukturierung des Produktentwicklungsprozesses genutzt werden können.

Der traditionellste dieser Ansätze ist mit Sicherheit die Waterfall-Methodik. Diese folgt einem eher starren Muster, bei dem eine Phase der Entwicklung auf die nächste folgt. Auf eventuelle kurzfristige Änderungen wird nicht eingegangen. Die Möglichkeit zur Dokumentation ist allerdings eine der größten Stärken dieses Ansatzes.

Die Wasserfall-Methodik war für Produktmanager absolut zentral. Hier folgt eine Stufe des Produktentwicklungsprozesses auf die nächste.
Die Wasserfall-Methodik

Der agile Ansatz ermöglicht hingegen schnellere Iterationen und erlaubt somit mehr kurzfristige Änderungen im Prozess.

Die SCRUM-Methodik folgt diesen Prinzipien, konkretisiert diese aber. Hier geht es um ein festes Muster, in dem regelmäßige "Sprints" (Entwicklungsrunden) durchgeführt werden.

Ein letztes Framework, das in aller Munde ist, ist die sogenannte Kanban-Methodik. Auch diese basiert auf agilen Prinzipien und ist SCRUM somit nicht ganz unähnlich. Eine einfache Einführung zu beiden Prinzipien und deren Unterschieden gibt dieses Video:

Technische Fähigkeiten

Ein weiterer Teilaspekt wird gerne als Technisches Produktmanagement bezeichnet. Stark abhängig vom jeweiligen Produktbereich verhält es sich mit den Anforderungen an die technischen Fähigkeiten von Produktmanagern. Unbestritten ist sicherlich die Wichtigkeit von produktbezogenem Wissen. Wer etwa einen Produktbereich wie Turbinen verantwortet, sollte sich selbstverständlich auch mit Funktionsweise und weiteren Details auskennen, benötigt allerdings kaum Programmierkenntnisse.

Gerade im digitalen Produktbereich schaden diese allerdings nicht. Weitaus hilfreicher sind hier jedoch eher grundsätzliche IT-Themen. Folgende wären hierbei insbesondere zu nennen:

  • Verständnis über die verschiedenen Technologien, die genutzt werden hinweg (der sogenannte "Stack"
  • Die grundsätzliche Struktur, in der die einzelnen Technologien zusammenarbeiten, die sogenannte IT-Systemarchitektur
  • Datenmodell und APIs - Also das Zusammenspiel der verarbeiteten Daten
  • Grundkenntnisse in HTML/CSS für kurzfristige Anpassungen am Frontend

Soft Skills

Im Bereich Soft Skills sind einige Fähigkeiten wichtiger als andere. Allen voran wären da die Fähigkeit, mit Feedback umzugehen und dieses effizient einzuholen. Ebenso ist der richtige Umgang mit Konflikten, die zwischen den verschiedenen Fachbereichen aufkommen mögen, oft kriegsentscheidend. Regelmäßige Team-Retrospektiven sind eine gängige Praxis, um eventuellen Konflikten früh zu entgegnen und die Harmonie im Team zu fördern.

Durch die enge Verzahnung mit anderen Teams ist es auch wichtig, deren Vokabular zu verstehen. Gerade unter Entwicklern werden gerne Fachbegriffe genutzt. Doch auch im Designbereich gilt ein gewisses Grundvokabular als essentiell. Die Kommunikation wird um ein Vielfaches vereinfacht, wenn alle Parteien dieselbe Sprache sprechen. Solche Kleinigkeiten können große Effekte erzielen und für eine reibungslose Zusammenarbeit sorgen.

Zu guter Letzt empfehlen wir Produktmanagern ausgeprägte Präsentationsskills, da diese regelmäßig ihre Produkte von Konzept über Release bis Update vorstellen werden.

Datenanalyse

Wie bei so vielen Rollen ist auch bei Produktmanagern ein klarer Trend in Richtung analytischer Fähigkeiten zu beobachten. Nicht zuletzt durch die immer größer werdenden Möglichkeiten zur Dateneinsicht können PMs aus einer Vielzahl an digitalen Nutzerdaten schöpfen. Ganz im Sinne der User Research, des perfekten Verständnisses für den Endkunden, können aus dem Verhalten innerhalb der Produktumgebung zahllose Ableitungen für die weitere Produktentwicklung entstehen. Tools: Google Analytics und Tag Manager, Google Optimize für A/B-Tests, SQL-Queries.

Wege zum Produktmanager gibt es viele - Tatsächlich dürfte es wohl nur wenige Rollen, bei denen die Menschen so verschieden sind. Bei Tech-Giganten wie Amazon, Google und co. haben PMs oft einen technischen Hintergrund, wie etwa Computer Science bzw. IT. Einige Produktmanager kommen auch aus dem UX bzw. UI Design oder dem User Research Bereich mit de Ziel, mehr strategische Aufgaben zu übernehmen. Ein Hintergrund in all diesen Bereichen kann hilfreich sein, Produktmanager zu werden. Neben praktischen Erfahrungen empfehlen wir natürlich unseren Track für Produktmanager. Hier kannst du dein Skillset als Produktmanager vervollständigen, stets up-to-date bleiben und somit bei deiner Arbeit als PM mehr erreichen.

Der Beruf des Produktmanagers ist aktuell durchaus gefragt. Wie im Bild zu sehen ist, stieg (in den USA) die Nachfrage nach Jobs im Produktmanagement  innerhalb von 2 Jahren bis Juni 2019 um 32% an. Da der Bedarf aktuell nur schwerlich gedeckt wird und Produktmanager recht viel Verantwortung tragen, ist ihr Gehalt als relativ hoch einzustufen.

Die Zahl der Product Management Jobs ist innerhalb von 2 Jahren massiv gestiegen.
Quelle: Entwicklung der Nachfrage nach Product Manager Jobs Neil Iyer, Medium, 2019

Die Tabelle gibt einen ersten Blick über das Gehalt von Produktmanagern. Dieses beginnt für Junior Produktmanager, also Berufseinsteiger im Durchschnitt bei etwa 3.400 € und variiert selbstverständlich je nach Branche und Erfahrung. Bei Letzterem spielen auch Faktoren wie internationale Erfahrung, Personalverantwortung und Spezialisierung eine Rolle.

Gehaltsübersicht: Wie viel verdient ein Produktmanager?
Gehaltsübersicht: Wie viel verdienen Produktmanager?

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